Heute gegen 14 Uhr könnte ich ein paar gutgedrückte Daumen sehr brauchen. Wer also grad einen frei hat, drücke ihn für meine Existenz. Danke.
die_ginny - 15. Mai, 08:58
Ich weiß grad nicht, was mich mehr aus der Fassung bringt: Die Gedankenlosigkeit empathieunfähiger Narzißten oder der bedingungs- und grenzenlose Rückhalt derer, die ich liebe. Beim nächsten Mal werd ich die jeweiligen Tränen sammeln und eine Messung anstellen.
Mittlerweile glaube ich, es ist doch gar nicht so falsch, jemand zu sein, der sich aufopfert und alles in seiner Macht stehende tut für Menschen, die ihm wichtig sind. Man muss sich nur die wichtigen Leute genauer aussuchen. Und wenn man letztlich die Spreu vom Weizen getrennt und das ganze Unkraut entfernt hat, blüht der Weizen noch viel leuchtender.
die_ginny - 13. Mai, 21:24
Es war einmal ein kleines Pinguinwesen.
Es gab auch einen Eisbärkönig, den alle liebten und den alle brauchten. Er hatte die Pinguinwesen geschaffen und er herrschte über sie.
Das kleine Pinguinwesen liebte ihn besonders. Der Eisbärkönig brachte es zum Lachen und gab ihm ganz selten das Gefühl, wichtig zu sein. Das Pinguinwesen war nicht allein, es gab viele andere Pinguine, die eine Gemeinschaft bildeten, die es zu nähren galt.
Der Eisbarkönig war stark und stattlich, alle liebten und fürchteten ihn zugleich, denn er brachte Fische, er brachte Lachen und er nahm es auch. Er hatte Macht, weil er Verantwortung versprochen hatte, auf die alle vertrauten.
Als der Eisbärkönig wegging, waren alle traurig.
Die Pinguinwesen wussten nicht genau, warum die Pinguinmutter so litt, aber sie taten es mit ihr, denn er fehlte allen. Sie nahmen ihr die Flaschen aus der Hand, sie bruten ihr Fische und sie nahmen sie sehr oft in den Arm, obwohl sie gern selbst umarmt worden wären.
Das half und die Pinguinmutter setzte sich, verstört zwar, aber auch zuversichtlich wieder fest in ihr Nest. Das Nest gehörte ihr, daran ließ sie keinen Zweifel und das kleine Pinguinwesen sammelte Zweige, um es groß genug für alle zu machen.
Es lehrte die anderen, sich zu pflegen und zu versorgen und auch wenn seine Autorität ständig in Frage gestellt war, hatte sein Einsatz Erfolg. Es lernte, sehr schnell zu schwimmen und sich zwischen Korallen zu verstecken, weil es Nahrung für die Gemeinschaft erlegen wollte. Es gelang ihm.
Als die Pinguinmutter mit dem kleinen Pinguinwesen ihr Nest fertig gebaut hatte, war es dennoch zu klein, das befand vor allem der Eisbärkönig.
Das kleine Pinguinwesen baute sich ein eigenes Nest und hatte plötzlich keine Fische mehr. Es fing sich selbst welche und als der Eisbärkönig sich daran erinnerte, dass er versprochen hatte, für Nahrung zu sorgen, schuldete es vielen anderen Tieren viele Fische. Als der Eisbärkönig sich daran erinnerte, für Nahrung zu sorgen, beschloss er, allen Pinguinwesen gleich viele Fische zu geben, ganz gleich ob sie sich im Nest der Pinguinmutter wärmten oder ob sie sich nach seinem Wunsch ein eigenes gebaut hatten.
So tauschten die einen ihre Fische gegen Spielekonsolen, die anderen gegen künstliche Fingernägel und das kleine Pinguinwesen erwarb damit eine Krankenversicherung.
Der Eisbärkönig war damit zufrieden, denn er hatte für alle gesorgt. Er hatte immer sehr viele Fische gebraucht, um andere Pinguinfrauen zufrieden zu stellen, Fahrzeuge mit vielen Seelöwenstärken und ohne Dach durchs Meer zu schießen und Menschen zu imponieren, die sich auf Golfplätzen tummelten, und es gelang ihm, ein paar davon abzuzwacken, um sich nur noch halb schuldig zu fühlen und zu glauben, er habe das so verdient.
Er schaffte es zwar selbst nicht, aber er war immer dafür gewesen, dass man Dinge zu Ende bringt, die man anfängt und er tat seine Schuldigkeit und damit war es gut.
Er versprach viel und er brach viel, aber die Pinguinwesen wussten das, und obwohl die Pinguinmutter niemals ein Wort in dieser Richtung gesprochen hätte, war allen klar, dass Verlässlichkeit irgendwas anderes sein musste.
Als es dem kleinen Pinguinwesen sehr schlecht ging, fragte es den Eisbärkönig nach der Terminierung der Fischzufuhr, weil es sein Nest rechtzeitig abreißen wollte, bevor seine Ausbildung im letzten Semester gefährdet wäre. Der Eisbärkönig war damals sehr zuversichtlich, dass eine Lösung zu gegebener Zeit gefunden werden würde.
Als das kleine Pinguinwesen jüngst nachfrug, erinnerte sich der Eisbärkönig nicht mehr daran und stellte nur klar, dass es keine Fische mehr geben wird.
Das kleine Pinguinwesen fühlte nicht viel. Vielleicht ist das Hass, dachte es, aber eigentlich hatte es nicht viel erwartet. Es war immer das Lieblingspinguinwesen gewesen, hatte es nebenbei im Jahr vorher erfahren, und das sei dem Eisbärkönig immer vorgeworfen worden.
Das kleine Pinguinwesen wusste nicht mehr viel. Sein Nest abzubrechen und wieder zur Pinguinmutter zu ziehen, seine Ausbildung abzubrechen, etwas nicht zu Ende zu bringen, so kurz vor Schluss, das wäre nicht nur gegen die Wünsche des Königs. Seinen zugesagten und begonnenen Herzensjob aufzugeben wäre gegen alles. Sterben wäre etwas gegen die ganz ganz komischen ganz ganz seltenenen geliebten Wesen, die um seiner selbst trauern würden, statt um ihre eigene uneingelöste Schuld.
Das kleine Pinguinwesen redete ein bisschen. Es weinte viel. Es wagte nicht, von Unrecht zu sprechen, denn die, die vom eigens erlittenen Unrecht sprechen, sind Jammerlappen.
Dann ging es zu der Eisschicht, die es von sich selbst trennte. Das Eis war mindesten drei Meter dick. Sein Schnabel wurde erst fusselig, dann blutig, als es zaghaft begann, in die Schicht zu hacken.
Das kleine Pinguinwesen wusste, dass sich manche an den scharfen Kanten schneiden würden. Es wusste aber auch, dass Blut sich mit Wasser vermischt und weil es viel mehr Wasser als Blut gibt, würde sich das Wasser nichtmal rosa färben. Das Loch im Eis würde wieder zufrieren und die Narben in der zugefrorenen Fläche würden kaum sichtbar sein, nach einer Weile. Manchmal würde man vielleicht eine Bewegung wahrnehmen unter dem Eis, auf der anderen Seite. Aber das kleine Pinguinwesen hatte gelernt, sehr schnell zu schwimmen und sich sehr gut zu verstecken und bevor es überhaupt jemand realisierte, war es weg.
die_ginny - 12. Mai, 02:25
Vorhin den unmöglich sitzenden und schlecht verarbeiteten Billig-BH verflucht und nach Begutachtung der wunden Stelle an der linken Brust beschlossen, die Bügel herauszuoperieren. Dafür in den Schulungsflügel marschiert, wo sich fast nie andere Damen aufhalten, und im Toilettenvorraum entblößt. Nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit entdeckt, dass die Toiletten auf der anderen Gebäudeseite spiegelverkehrt den Geschlechtern zugeordnet sind. Ich war mir fast sicher, der italienische Schulungsgast würde an eine Geistererscheinung glauben und erst irgendwann in der Heimat davon berichten, vielleicht.
Aber jetzt möchten die Herrschaften Kaffee. Und die Sekretärin hat Feierabend.
Bietet jemand mehr?
die_ginny - 8. Mai, 17:03
Das Leben ist schön. Es passieren so viele kleine, blogbare Dinge, dass die Zeit damit so prall gefüllt wird, dass ich nicht zum Berichten komme.
Letzte Woche war ich zum ersten Mal aus und hatte die ganze Nacht keine Angst, vor nichts. Ja, Alkohol hat eine Rolle gespielt. Manche Leute würden jetzt behaupten, es sei eine große Rolle gewesen, aber das wichtigste war ein Gefühl, dass vor dem ersten Glas schon einige Zeit da war.
Ich mochte mich. Ich mag mich. Und manchmal so sehr, dass nichts und niemand mich darin verunsichern kann. Diese Momente werden häufiger und dauernder, jeden Monat, jede Woche, jeden Tag.
Und das ist die Hauptsache.
die_ginny - 7. Mai, 20:46
Kollege so: Ey Ginny, frierst du? Soll ich das Fenster zumachen?
Ich so: Nee, ich lass einfach die Jacke an. Ich frier ja unten auch.
(Da geh ich jetzt auch erstmal hin, nach unten. Ins Raucherzimmer. Da wird die Himbeerröte ganz schnell wieder ein unauffälliges Grau.)
die_ginny - 28. Apr, 16:08
Manchmal habe ich Angst, die an Paranoia grenzt. Es ist keine Trauer über Verlust, die an mir nagen würde, wenn ich an jene beiden Menschen denke, es ist der Schmerz über die Verletzungen, die sie mir beigebracht haben. Mich interessieren die Gründe nicht, warum der eine mich so systematisch physisch, psychisch und vernachlässigbar materiell geschädigt hat und die andere die Gelegenheit nutzte, als ich am Boden lag, um kräftig zuzutreten. Manchmal klaffen einfach nur die Wunden in der Erinnerung an die bewussten satten Treffer und den absichtsvollen Hohn in der Folge weit und nass auf.
An solchen verletzbaren Tagen trau ich mich nicht unter Menschen. Es gibt keinen ersichtlichen realen Grund, außer dem, dass ich verletzbar bin und jeder unbewusste Blick oder flappsige, witzig gemeinte Spruch von Fremden mich bis ganz tief drin trifft.
Ich bin ein selbstbewusster Mensch in dem Sinne, dass ich meine Schwächen genauso realistisch einschätze wie meine Schwächen. Was mir nicht gelingt ist, beides, Schwächen und Stärken, entsprechend realistisch zu bewerten. Schwächen wiegen das Mehrfache von Stärken, meine Verletzbarkeit ist an solchen Tagen mächtiger als die Selbstsicherheit.
Seine Aggression, das nächtliche Klingeln, wenn er volltrunken denkt, es sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich mit mir zu versöhnen und für alles pauschale Absolution zu erhalten, ist für mich echter und gefährlicher Wahnsinn. Seine Fähigkeit, sich aus ausgewählten Teilen der Wirklichkeit etwas zusammenzubauen, das wahr ist und die Lücken mit Inhalt zu füllen, der passt, ist für mich so unvorstellbar, unberechenbar und bedrohlich, dass ich manchmal die ganze Stadt als infiziert wittere.
Ihr Lauern auf Möglichkeiten, mit abschätzigem Hohn zu trumpfen, ist mir unbegreiflich und macht mir Angst.
Ich glaube, dass beides armselig ist und dass ich ganz weit davon entfernt bin, ebenso armselig zu sein. Trotzdem ist das Bewusstsein, „besser“ zu sein, ohnmächtig gegen die Angst, die diese irrationale unabschätzbare Größe aufbricht. In angemessener Entfernung von hier gehe ich in jeden großen Wald und in jeden finsteren Keller, hier wage ich an diesen zwei oder drei schlimmen Tagen im Monat kaum einen Schritt auf die belebte taghelle Straße.
In Begleitung geht es ganz gut, abgesehen von größeren Menschenansammlungen. Aber ich will es alleine können, allein und immer und überall.
Das wird noch eine ganze Weile dauern.
Aber wenn das Fieber einsetzt, beginnt die Heilung. Und dass ich drüber schreiben kann, zeugt von einer beginnenden Distanziertheit. Gerade, weil mir absolut bewusst ist, dass es auch diejenigen Leute lesen werden, die es in irgendeinem Teil ihrer Wirklichkeit ganz toll verwenden können.
die_ginny - 26. Apr, 00:58